Tenntrådsbroderier | Ein Blick in die Vergangenheit

 

Seit jeher schmückten die Skandinavier den eigenen Besitz mit gesponnenen Metallfäden, üblicherweise aus Bronze, Silber oder Gold. Im 19. Jahrhundert galt diese Kunst als beinahe verloren und wird heute nur noch von wenigen Handwerkern beherrscht. Die Muster stellen Elemente der keltischen Formensprache dar – es sind Bandflechtmuster, die norwegische Knotenmuster aus dem 9. und 10. Jahrhundert zeigen. Die samische Kunst der Zinnfadenstickerei ist bereits  400 Jahre alt. Traditionell dienten entkernte Zweige als Hohlformen, die mit einer Zinn-Blei-Legierung ausgegossen wurden. Die so entstandenen biegsamen Zinnstäbe wurden anschließend viele Male gepresst, bis sie so fein waren, dass man damit Rentiersehnen umspinnen konnte. Als Hilfsmittel dienten durchbohrte Scheiben aus Rentierhorn, deren Bohrlöcher von unterschiedlichem Durchmesser waren.

 

Heute bedient man sich zur Herstellung der Zinnfäden modernerer Methoden, das kunstvolle Flechten und Sticken geschieht allerdings wie eh und je in Handarbeit. Dem Zinn wird anstelle von Blei ein Anteil reinen Silbers beigemischt, und statt der tierischen Sehnen verwendet man heute Baumwollfäden. Das Leder ist mit Rinden von Birke, Weide und Tanne gegerbtes Rentierleder. Natürliche Unregelmäßigkeiten im Farbton sind kein Zeichen minderer Qualität, sie spiegeln vielmehr das Leben der Tiere in der rauen Umgebung Nordskandinaviens wider:

Wo sich Narben gebildet haben, nimmt die Haut mehr Gerbstoffe auf.

 

 Die Geschichte der Saamen

 

Das Volk der Sonne und des Windes, wie sich die Saamen selbst nennen:

"Wir kommen nicht von irgendwo her, wir waren schon immer hier und wir waren schon hier, noch bevor jemand anderes hier war. Wir sind die Menschen des Landes, wir leben und ernähren uns von dem, was uns die Natur gibt und wir hinterlassen keine Spuren."

 

Anstrengungen und Herausforderungen, Kraft und Widerstand, Recht und Unrecht. Etwa 370 Millionen Menschen bezeichnen sich selbst als "zu einem indigenen Volk zugehörig". Diese Völker entstanden, als es noch keine offiziellen Grenzen gab. Die Samen sind eines dieser Völker und sie leben  als Minderheit in Schweden. Ihre Geschichte beginnt lange bevor Schweden, Finnland, Norwegen oder Russland existierten. Heute gibt es etwa 20.000 Saamen in Schweden und ungefähr 70.000 in Nordskandinavien. Die Meisten leben in Norwegen. Es gilt als sicher, dass vor ca 10.000 Jahren die ersten Vorfahren der Saamen in Nordschweden lebten. Ihre Gebiete erstreckten sich dabei über Nordskandinavien, Finnland und Teilen Russlands. Diese Länder beanspruchen heute die Gebiete die ursprünglich "Sápmi" waren. "Sápmi" wurde früher das Land bezeichnet, in dem die Saamen und Ihre Rentierherden frei über das Land ziehen konnten.

Denn es gab die meiste Zeit keine Grenzen. 

Die Saamen lebten seit Jahrhunderten mit Ihren Nachbarn friedlich zusammen, aber in den letzten 200 Jahren und hier besonders im 20. Jahrhundert gab es dramatische Veränderungen in der Saami Kultur, der Politik, der Wirtschaft und den Beziehungen zu Ihren Nachbarn. Während des 19. Jahrhunderts wurde die Freiheit innerhalb "Sápmi" umherzuziehen immer mehr von den Regierungen kontrolliert. Zum Teil mussten die Saamen in bis zu drei Ländern Steuern zahlen. Während dieser Jahre wurden sie immer mehr diskriminiert und in Ihren Rechten beschnitten.

 

Seit einigen Jahrzehnten entwickelt sich bei den Saamen wieder mehr und mehr ein Bewusstsein für Ihre Ursprünge. Ihre Kunstfertigkeiten und Schnitztechniken. Ihre Kultur und Ihre Musik treten wieder in den Vordergrund. Die Jugend entwickelt ein neues Selbstbewusstsein und besinnt sich auf seine Herkunft und die damit verbundenen Traditionen.